Einwurf – Barack und Hillary – das neue Traumpaar?

Und da gingen sie hin, das neue Traumpaar, Arm in Arm, als ob nichts gewesen wäre. Was für ein Bild! Die Rivalen, in trauter Einigkeit, der dunkle Anzug und das dunkle Kostüm, der Welt und der Pressemeute den Rücken kehrend. Dieses Bild von Barack und Hillary nach ihrer Berufung zur künftigen Außenministerin kommt in meine persönliche Gedächtnis-Galerie, Abteilung: „Yes we can!“. Ja wir können sie noch alle überraschen! Jetzt werden die beiden natürlich als amerikanisches „dreamteam“ gefeiert, wobei mir absolut rätselhaft ist, worin das Traumhafte besteht.

Als ich zum ersten Mal von dieser neuen Liaison hörte, dachte ich: Wie lang ist der Ehevertrag? Und was kostet das ganze? Für Barack hat die Vernunftehe ein paar ganz entscheidende Vorteile und – einen erheblichen Nachteil. Es ist bestimmt klug, Hillary zu „umarmen“. Als Außenministerin kann sie schlecht die Politik ihres einstigen Widersachers und jetzigen Präsidenten torpedieren, um dann 2012 nochmals gegen ihn anzutreten. Eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der demokratischen Partei im Kabinett zu haben, ist auch nicht verkehrt. Und: Ihre Expertise erschöpft sich nicht in der Erkenntnis, dass man Russland von der Grenze Alaskas aus sehen kann. Sicherlich, - sie ist als Präsidentengattin um die Welt gereist.

Eigentlich bekommt Barack zwei Außenminister zum Preis von einem. In einem ihrer Interviews hat Hillary kürzlich betont, wie ausgiebig sie und Bill über Politik sprechen würden. Schöne Sache, wenn man mit seinem Ehemann nach über 25 Jahren und einigen Krisen noch ein Gesprächsthema hat. Um es gleich zu betonen: Das ist kein Nachteil. Ich finde es eher ärgerlich, einer Powerfrau wie Hillary keine eigene Meinung zu unterstellen. Und was Bills Stiftung betrifft und seine Kontakte zu – na sagen wir mal – nicht ganz lupenrein demokratischen Regierungen: Gerhard hat da gazprommäßig von ihm gelernt.

Nein, der Nachteil könnte eher ihre höchsteigene Meinung sein: Sie gilt außenpolitisch als „hawk“ (Falke), also als Vertreterin einer amerikanischen Dominanztheorie. Sie hat im Gegensatz zu Obama den Krieg im Irak von Anfang an unterstützt. Welche Position hat sie gegenüber dem Iran? Im Wahlkampf hat sie Obamas Gesprächsbereitschaft als „naiv“ bezeichnet. Wird sie Verhandlungen einleiten, wie Obama sie für zwingend hält? Und die Massaker in Mumbai haben es gezeigt: Nichts ist so notwendig wie eine Deeskalationsstrategie für Indien und Pakistan. Nur die Supermacht USA kann die Temperatur herunterkühlen, Indien zur Vernunft rufen und Pakistan an seine Versprechen erinnern, die islamischen Extremisten unter Kontrolle zu halten. Die Region, mit Afghanistan als Zündschnur, ist ein Pulverfass, die eher diplomatisches Geschick verlangt als undiplomatisches Muskelspiel. Eher eine Taube als einen Falken.

Bleibt die Frage, die allerorten diskutiert wurde: Warum macht Hillary das? Warum gibt sie einen einflussreichen Posten im Senat auf? Diese Frage fand ich merkwürdig. Die Frau ist ein „power junkie“, wie man hier so schön sagt. Voraussichtlich wird sie nie mehr wieder so einen mächtigen Posten bekommen. Wenn sie nochmals als Präsidentschaftskandidatin 2012 in den Ring steigt, wäre sie 65 Jahre alt; vier Jahre später 69 und damit fast so alt wie John McCain heute. Also warum sollte sie zögern, nachdem Barack ihr einen direkten Zugang zu seinem inneren Zirkel angeboten hat? Die Räumlichkeiten kennt sie ja und muss sich in dieser neuerlichen Beziehung zu einem Präsidenten nicht um außereheliche Ausrutscher scheren. Sehr hübsch fand ich den Kommentar dazu im “Slate”-Magazin, einem politischen Online-Portal: So günstig war die Gelegenheit noch nie, sich von Bill scheiden zu lassen.

9.12.08 21:34

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