2555 Pennsylvania Avenue – Das Gorillamännchen und die Macht des Radios

Der Mann ist so populär, dass „Newsweek“ ihm einen Titel widmet, die Zeitungen ihn seit Tagen auf der Seite Eins thematisieren und der Präsident (seien wir genau und sagen: sein Stabschef und sein Pressesprecher) ihn sogar schon als neuen Star der Republikaner sehen. Rush Limbaugh, erfolgreicher, rechtskonservativer Radio-Moderator mit eigener Show hat sich letzte Woche mit einem Paukenschlag in die Debatte um die Wunden leckenden „Grand Old Party“ eingeschaltet.

Paukenschläge sind seine Spezialität. Entertainment auch. Auf der „Conservative Political Action Conference“, einer Art Basisveranstaltung der GOP, schlug sich Rush vor seinen kreischenden Fans mehrfach wie ein Gorillamännchen auf die Brust und malte den Teufel an die Wand: „Alle die, die Kapitalismus und Freiheit abschaffen wollen“. Der Präsident inbegriffen, weshalb Limbaugh das dringende Stoßgebet losschickte, „Obama möge scheitern“.

Das ist doch mal eine Aussage! Nicht einfach nur Krittelei am Stimulus-Paket, nein, gleich weg mit den ganzen sozialistischen Brüdern! Seine Zuhörerschaft soll sich daraufhin von 14 Millionen auf 24 Millionen diese Woche erhöht haben. Die republikanischen Parteigrößen hingegen sind sehr erschrocken und finden, Rush Limbaugh habe ihnen einen Bärendienst erwiesen. Wie unamerikanisch, zu wünschen, dass der Präsident scheitert! Dann haben sie dem entlaufenen Gorillamännchen auf die Pratzen geklopft und ihn wieder in seinen Show-Käfig geschickt.

Hat nicht funktioniert. Im Gegenteil! Nach dem Aufschrei der Basis und dem gewaltigen Presserummel haben sich einige hochmögende republikanische Funktionsträger sogar entschuldigt, dass sie Rush Limbaugh für einen „hässlichen Brandstifter“ halten. Was für ein Affenzirkus! Aber vielleicht lernen sie ja zwei Dinge. Erste Lektion: Unterschätze die Macht der Einschaltquoten nicht! Zweite Lektion: Unterschätze deine Wähler nicht!

Man kann Rush Limbaugh als Paradebeispiel des white ugly American sehen, man kann ihn für einen Brunnenvergifter und dreisten Aufschneider halten, aber in einer Hinsicht hat der Mann Recht. Er hat das Ohr wirklich bei seinen Zuhörer, - ganz im Gegensatz zur republikanischen Partei, die den Kontakt zu ihren Wähler weitgehend verloren hat. Limbaugh ist einer der wenigen Radio-Moderatoren, die landesweit senden. Über 600 Stationen übertragen seine Sendung jeden Tag und – so schätzt man – bis zu 14 Millionen Amerikaner hören ihn regelmäßig.

Meistens redet Limbaugh, als stünde der „Russe“ kurz vor Alaska. Der „Russe“ ist sehr beliebt hier, wie wir schon von Sarah Palin gelernt haben. Der „Russe“ ist sozusagen das Übel, das man von Alaska aus sieht. Während des Wahlkampfs hat der „Russe“ in Limbaughs Radio-Show natürlich dauernd gegen „Kapitalismus und Freiheit“ gekämpft, - was der „Russe“ halt so macht, wenn er an der Grenze zu Alaska steht. - Diese so genannten weißen „Talk Radios“ sind schon derbe Kost für unsere zarten deutschen, politisch-korrekten, Ohren. Und Rush Limbaugh ist der unbestrittene Star der Szene.

Und wer ihn nicht hört, der besucht seine Website. Auch ein ganz besonderes Erlebnis. „Debate me!“ steht dort in großen Lettern und gemeint ist die Aufforderung an Präsident Obama, in seine Show „with the last man standing“ zu kommen. Populistischer geht’s wohl kaum. Aber es geht noch geschmackloser. Seine Fans können das T-Shirt „Club Gitmo“ in Guantanamo-Orange kaufen mit der unmissverständlichen Aufschrift: „When America was safe“. Das waren tolle Zeiten für Gorillamännchen.

Rush Limbaugh ist so bekannt, dass der Name für seine Fans schon zu einem geflügelten Ausdruck geworden ist. Die „Dittoheads“ - im Sinne von: „Dito, ja, wir stimmen dir zu Rush“ (so die Zuhörer am Telefon live in seiner Sendung) - sind umgangssprachlich jene übergewichtigen, lauten, geschichtlich unempfindlichen wie politisch schmalspurigen, weißen Männer, über die der Filmemacher Michael Moore immer herzieht (wobei er ihnen erstaunlicherweise ähnelt, - natürlich nur rein physisch, versteht sich).

Einer geht in diesem Affenzauber jedenfalls als Sieger vom Platz: Das Gorillamännchen. Rush Limbaugh ist noch populärer – und im Zweifelfall reicher – geworden. Er gibt auch sein Bestes, er ist so „gut“ wie nie zuvor und die Schar seiner Freunde erweitert sich sozusagen stündlich. Haha, könnte man jetzt vorurteilen: Da versammeln sich also die ganzen rechtsgestrickten „Dittoheads“, die im Obamajubelgeschrei gerade unterzugehen drohen. Wie immer, ist das Leben grau. Eine interessante Umfrage (Pew Research Center) besagt, dass sich fast 80 Prozent seiner Zuhörer als „konservativ“ beschreiben.

www.rushlimbaugh.com

11.3.09 02:16

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