2555 Pennsylvania Avenue – Der Mann, der Michelle Obama begleitet

Gespannt werde ich dieser Tage auf meinem amerikanischen Sofa sitzen und darauf warten, dass er diesen Satz sagt: Ich bin der Mann, der Michelle Obama begleitet. Wahrscheinlich wird er ihn nicht sagen. Dafür sagen ihn alle Reporter seit Anfang dieser Woche. Der Satz stammt übrigens von Jack Kennedy, auch kein unattraktiver und wahrlich nicht unbedeutender amerikanischer Präsident. Da die Europäer, insbesondere die Franzosen, seiner Gattin Jackie so viel Aufmerksamkeit widmete, - um nicht zu sagen: sie anhimmelten – hätte Kennedy keine charmantere Replik finden können. Man schrieb das Jahr 1961. Die Zeiten waren alles andere als rosig. Die Welt stand vor einer politischen Zerreißprobe. Also so wie heute.



Da lohnt es sich schon mal, über die Oberarme einer Präsidentengattin zu sprechen. Über ihre ärmellosen Kleider, ihre farbenfrohen Kostüme, ihren modischen Mut. Ich blättere begeistert in den Modegazetten wie „Vogue“ oder Oprah Winfreys „O“- Magazin, auf denen sich eine sehr selbst-, wie modebewusste First Lady präsentiert. Wie schon Jackie kontrolliert auch Michelle ihr Image und zwar jedes Detail davon. Nichts ist Zufall und – alle wissen das. Es ist eben ein Unterschied, ob man als Mann oder als Frau die politische Bühne betritt. Es wird auch immer ein Unterschied bleiben und – das ist gut so.

Normalerweise verschwinden Präsidentengattinnen samt ihrer Weiblichkeit in hochgeschlossen, amorphen Kostümen. Jackie Kennedy war eine Ausnahme und ihre ärmellosen Etuikleider sind hinreißend. Bis heute. Womit wir bei den Oberarmen wären. Kein Mensch mokierte sich damals über die zarten Arme von Mrs. Kennedy. Spätestens seit Michelle Obama jedoch ärmellos ihren Gatten bei offiziellen Anlässen begleitet, hat sie eine Oberarm-Diskussion am Hals.

Vor allem konservative Blogger und Radiosender beschweren sich über zuviel Haut. Die Nachrichtenmaschine CNN analysiert die ausgearbeiteten Bi- und Trizepsmuskeln und „Slate“ kommt schließlich zu dem Schluss: Da die Arme einer Frau das letzte sind, was leidet, dürfen sie so lange wie möglich gezeigt werden. Yes, diese First Lady ist sexy. Erst recht mit 45. – Erstaunlich, dass Mann das immer erwähnen muss.

Es ist allerdings auch keine Kunst, als modebewusste amerikanische First Lady aufzufallen. Das Perlenkettengeschwader ihrer Vorgängerinnen in Präsidentengattinhellblau erforderte lediglich ein paar flotte ärmellose Cocktailkleider und ein wallendes, schulterfreies, weißes (!) Inaugurations-Kleid, - auf dessen Schleppe der Gatte auch gerne mal beim Tanz herumtrampeln durfte. So weit, so sympathisch.

Überhaupt finden alle Michelle Obama plötzlich toll. Rechtzeitig vor ihrer ersten Europareise erscheinen überall positive Umfragen. Ihre Beliebtheitsrate, schreibt die Washington Post, läge jetzt bei 76 Prozent (Barack: 61 Prozent), - eine Steigerung von 28 Prozent seit letzten Sommer. Zu diesem Zeitpunkt erreichte die Kritik an ihr einen Höhepunkt, weil sie dieses amerikanische Dauerlächeln noch nicht beherrschte. Weil sie sich über die herumfliegenden, dreckigen Socken ihres Mannes öffentlich ärgerte – ich meine, wer findet das schon schön? – und weil sie bekannte: „Ich bin zum ersten Mal stolz auf mein Land, - weil die Hoffnung zurückkommt!“. Dies über die „greatest nation on earth“ zu sagen, ist sozusagen ein „killer“. Egal ob man tolle Oberarme hat oder nicht.

Vorbei, vergessen. Jetzt zählt, dass Michelle Obama Washingtons Charity-Damen durch die miserablen öffentlichen Schulen der Hauptstadt scheucht und einen ökologischen Garten im Weißen Haus anlegt. Das sind die flankierenden Maßnahmen des präsidialen Programms für eine bessere Erziehung und mehr Umweltbewusstsein. Wer, wenn nicht die Obamas wissen, was es bedeutet, eine gute Erziehung zu erhalten. Konsequent also, dass Mrs. Obama in London eine Schule für unterprivilegierte Mädchen besucht. Chapeau.

Dass sie dabei modisch Farbe bekennt, - umso besser. Wer will schon eine graue Maus sehen, wie sie die Welt verändert. Und: Es gäbe dann nicht diese wunderbaren Webseiten über „Mrs O“, die jedes Outfit kommentiert. Trägt sie den neuen „recession chic“, also trägt sie ein Kleid zweimal? Wird sie die „fashionistas“ in Europa begeistern? Wird sie vielleicht sogar ihren Mann in den Schatten stellen? Der Mann, der Michelle Obama nach Europa begleitet, lacht wahrscheinlich über solche Spekulationen. Sie auch.

www.mrs-o.org

1.4.09 21:10

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